Leben mit Datensammlern

datensammlerJeden Tag gibt es neue Schlagzeilen über Ausspionierer und Datensammler. In den USA klagt eine Frau, weil der Hersteller ihres vernetzten(!) Vibrators die Zeiten und Intensitäten der Anwendung des Gerätes auf seinem Server loggt (Quelle: https://heise.de/-3324854). Jeden Tag geben Verbraucherschützer neue Warnungen heraus, wie gläsern unsere Persönlichkeiten durch die zugänglichen Daten werden. Meine Einkäufe und Webseitenbesuche werden analysiert, und ich bekomme dann genau auf mich zugeschnittene, personalisierte Werbung. Oh mein Gott, wie furchtbar! Jetzt könnten mich die Einblendungen vielleicht auch noch interessieren. Ja, Werbung kann nervig sein. Aber wie soll es denn anders gehen? Woher kennen Sie denn die Produkte, die Sie kaufen? Mir persönlich ist es schon lieber, wenn man mir Dinge vorschlägt, die mir vielleicht wirklich gefallen könnten. Das ist doch wie beim guten, alten “Tante-Emma-Laden”. Die Verkäuferin kennt ihre Kunden, kennt die Familie, weiß was sie wollen, und wenn es mal etwas Neues gibt, dann schlägt sie das vor: “Na, Herr Pfefferkorn, kommen am Wochenende wieder die Enkelkinder? Ich habe da hier ein kleines Schminkset für Prinzessinnen. Wäre das nicht mal was?” Bei einem älteren Herrn für Prinzessinnen-Schminksets zu werben, wäre ohne die Hintergrundinformationen eher verstörend. – “Gut, dass Sie mich daran erinnern, Frau Schulze! Wenn Sie meinen, dass das was ist, dann nehme ich zwei.”
Natürlich haben die Datensammelei und der “gläserne Bürger” nicht nur Einfluss auf gezielte Werbung. Auch staatliche Einrichtungen, Versicherungen und Arbeitgeber nutzen die verfügbaren Quelle. Da helfen auch keine Forderungen nach mehr Datenschutz. Die technische und die medial-soziale Entwicklung gehen hier viel zu schnell. Da muss man sich schon selbst helfen. Sie könnten nun z.B. einer amischen Gemeinde beitreten. Wem das jedoch ein zu radikaler Einschnitt in die gewohnte Lebensweise ist, der sollte sich mal überlegen, ob man die Datensammler nicht mit ihren eigenen Waffen schlagen könnte. Sie können das von Ihnen digital entworfene Persönlichkeitsbild doch beeinflussen. Organisieren Sie einen Tauschring mit Freunden und einigen Sie sich, dass jeder immer für den anderen im Internet bestellt. Wenn Sie keine Freunde haben oder die Ihre Online-Apotheken-Bestellung partout nicht von ihrem Computer versenden wollen, dann hilft nur noch Verschleierungstaktik. Kaufen Sie regelmäßig ein paar Sport-Accessoires! Das könnte mal guten Einfluss auf Ihre Lebensversicherung haben. Wenn Sie auf Jobsuche sind, schreiben Sie ruhig ein paar Haterkommentare auf Gewerkschaftsseiten! Schicken Sie wahllos Freundschaftsanfragen an Leute mit vielen Freunden! Irgendwer beißt immer an. Mit der Zeit haben Sie dann doch einen (fast) echten Freundeskreis. Machen Sie sich noch interessanter, indem Sie sich bei solch tollen Facebook-Gruppen anmelden, wie “Männer in Strings sind cool”! Vergessen Sie nicht, dass auch Kommentare in Onlineshops ein probates Mittel sind, um sein Onlineprofil aufzupeppen! Es darf durchaus auch etwas dekadent sein. Am besten hier:
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Solche Angebote werden extra nur für Kommentare gemacht. Anders kann ich mir das nicht erklären.

Euer Karl Pfefferkorn

Karl Pfefferkorn (1897-1961)
Karl Pfefferkorn (1897-1961)

Aus der Rubrik „Karl Pfefferkorn (1897-1961) zieht vom Leder