Einstein im Straßenverkehr

Aus der Rubrik „Karl Pfefferkorn (1897-1961) zieht vom Leder

einsteinstrasseDie Schlussfolgerungen aus Einsteins Relativitätstheorie sind mit dem “gesunden Menschenverstand” oft schwer zu fassen. Einfacher fällt es vielen Menschen, wenn man ein praktisches Beispiel anführen kann. Mir ist aufgefallen, dass man im täglichen Leben doch oft von solchen Paradoxien, die sich aus der Relativitätstheorie ergeben, umgeben ist.

Damit meine ich nicht die grundlegende Erklärung, dass drei Haare auf dem Kopf relativ wenig sind, drei Haare in der Suppe jedoch relativ viel.

Ich meine auch nicht die Erklärung zur Relativität der Zeit in Abhängigkeit vom Ort mit Hilfe einer Klotür. Sie wissen schon: Ob drei Minuten relativ viel oder relativ wenig Zeit sind, hängt davon ab, auf welcher Seite man sich befindet.

Nehmen wir doch aber zum Beispiel folgende Situation im Straßenverkehr: Eine breite, freie Landstraße, welche schnurgerade noch ein paar Kilometer auf die nächste Ortschaft zustrebt. Es ist trocken. Das Licht ist hervorragend und blendet auch nicht. Links und rechts der Straße erstrecken sich weit überschaubare Felder. Der Gegenverkehr liegt bei null.

Es gibt auch keinen Hinweis auf eine Krötenwanderung, keinen Flugverkehr und auch die Straße selbst ist in einen Top-Zustand. Kein Schlagloch. Randstreifen und Mittellinie sind gut markiert.

Es gibt nichts, absolut nichts, was gegen die Ausnutzung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit spricht. Sie arretieren also die Tachonadel bei 100. Beim Blick in den Rückspiegel stellen Sie erstaunt fest, dass das Fahrzeug hinter Ihnen immer kleiner wird.

Nun gut, auch wenn man schon für flüssigen Verkehr sorgen sollte, ist niemand verpflichtet immer Höchstgeschwindigkeit zu fahren. Da wie gesagt nicht viel Verkehr ist, stört es auch nicht. Soweit ist das alles noch erklärbar.

Dann kommt das Ortseingangsschild. Sie bremsen vorschriftsmäßig auf die erlaubten 50 km/h ab. Die Straße führt weiter gerade aus. Jetzt kommt das unerklärliche Phänomen. Nach nur 100 Metern klebt Ihnen ihr Verfolger wieder ganz dicht hinten drauf.

Physikalisch völlig unmöglich, denken Sie. Der Abstand hätte sich nachdem beide das Ortseingangsschild passiert haben gar nicht mehr verringern können. Hier scheint es tatsächlich so zu sein, dass sich aufgrund der Geschwindigkeit die Abstände verkürzen. Genauso, wie es Einstein vorausgesagt hat. Das ist einfach verblüffend.

Euer Karl Pfefferkorn

Karl Pfefferkorn (1897-1961)
Karl Pfefferkorn (1897-1961)