Das ist eSimlos


Nein, die Überschrift ist kein Schreibfehler. Das ist ein Wortspiel. Wenn es etwas positiver klingen würde, hätte es ungefähr die Qualität dieser Werbeslogans, wo man sich gut vorstellen könnte, dass dort in der Agentur mit Drogen experimentiert wurde.

Die Leute sind ins „Sparadies“ „vermilchreist“ und „sinzig alle einig“ (Mineralwasser „Sinzig“).

Ich habe das ohne Drogen geschafft. Daher ist es aber wahrscheinlich für Werbung eher untauglich geworden. Irgendwas ist halt immer.

Aber was war es denn nun, was mich nach langer Zeit mal wieder zur virtuellen Feder greifen ließ?

Es geht um eine SIM-Karte. (Ah, das mein er!) Genauer gesagt um eine eSIM. Kurze Erklärung: SIM-Karten kennt ihr. Die Dinger, die ins Smartphone bzw. „Handy“, wie wir Deutschen sagen, rein muss, damit man telefonieren kann.

Bisschen Klugscheißere nebenbei (wird ja von mir erwartet): SIM steht für „subscriber identity module“ deutsch: „Teilnehmer-Identitätsmodul“)

Die Teile waren am Anfang so groß wie eine Scheckkarte und schrumpften über Mini- und Micro- zu Nano-SIM. Da muss man schon aufpassen, dass man die nicht einatmet. Kinder unter 3 Jahren sind ganz raus.

Trotzdem benötigen die noch recht viel Platz im Telefon. Außerdem braucht man etwas, um die Plastik-Schnipsel in das Gerät zu bekommen. Da ist also zumindest ein Loch notwendig, was dann wieder gegen Staub abgedichtet werden muss. Noch schlimmer ist, dass der Nutzer die SIM meiste selbst einlegen muss. Oh – mein – Gott! Wo war doch gleich das Teil mit dem man den Schacht öffnet? Nimm eine Büroklammer! Nicht das Loch, das ist das Mikro! Klar geht das rein! Lass mich mal! Drin ist es, sieht aber komisch aus. Probier mal! Ruf den Kundenservice an, die scheint kaputt zu sein.

Eine SIM-Karte herzustellen und dann zu versenden kostet und dauert auch.

Doch es gibt eine Weiterentwicklung, die all diese Probleme löst: Die eSIM. Das ist ein kleiner Chip fest verlötet im Smartphone. Der kann nun programmiert werden. Das geht ganz einfach über einen QR-Code, den das Gerät mit der Kamera einliest. Genial! Kein Warten mehr auf die SIM-Karte! Kein Basteln beim Einsetzen! Mehr Platz im Smartphone! Ein Loch weniger, durch das Staub eindringen kann. Keine teure Produktion von neuen SIM-Karten und kein Versand! Eine eSIM kann auch mehrere Profile verwalten, also ist quasi mehrere SIM-Karten in einer. Im Urlaub könnte man auf eine vor Ort umschalten. Perfekt für Smartphonehersteller, Mobilfunkanbieter und Nutzer! Eine win-win-win Situation. So etwas sollte sich rasch durchsetzen.

Aber es gibt trotzdem bisher wenige Smartphones, die eine eSIM unterstützen. Einige höchstens als Zweitkarte. Auch bei den Mobilfunkanbietern sieht es dünn aus. Wenn sie eSIM im Portfolio haben, dann auch nur irgendwie zusätzlich.

So kam es denn auch zu meinem persönlichen Erlebnis mit dieser Technologie.

Ich nutze eine private Nummer und noch eine Prepaid-Nummer für alle, die meine private Nummer nicht bekommen sollen. Dafür hatte mein altes Smartphone Dual-SIM. Das neue hat nur einen Steckplatz, aber auch noch einen eSIM-Chip. Der alte Prepaid-Anbieter unterstützt kein eSIM. Was soll’s? Auf zum nächsten! Die Auswahl war übersichtlich: Einer.

Und wie läuft das jetzt? Aha, erstmal bekomme ich zwingend doch eine SIM-Karte per Post zugesandt. Dann muss ich den Service anrufen und kann dann nach ca. 15min auf eSIM wechseln. An der Stelle sind schon die meisten Vorteile der eSIM im Eimer. Na gut. Warten.

SIM-Karte im Briefkasten und den Service angerufen. Wir kennen die Nummer nicht, von der du anrufst. Logisch. Bist du bereits Kunde, dann drücke die 1! – 1 – Kannst du deine Nummer eingeben, drücke die 1! – 1- Bitte gib deine Nummer ein! xxxxxx Zu Verbesserung unserer Servicequalität wird das Gespräch aufgezeichnet. Wenn du…. bla, bla, bla -…

Einem netten Servicemitarbeiter meinen Wunsch nach eSIM vorgetragen. Zur Legitimation muss ich Ihnen eine TAN auf Ihre Rufnummer senden. Haben Sie die Karte eingelegt. NEIN, natürlich nicht, deshalb will ich ja auch eine eSIM, weil ich die Karte NICHT einlegen kann. Es tut mir leid, dann muss ich Sie bitten eine Mail an den Kundenservice zu senden und ein Bild von Ausweisvorder- und -rückseite und ein Selfie.

Das habe ich getan. Natürlich nicht, ohne wenigstens meine Meinung zum Procedere anzufügen.

Seit meiner Bestellung ist eine Woche vergangen und ich habe immer noch keine eSIM, obwohl die hätte am selben Tag automatisch generiert werden können.

Ich bin also immer noch eSIM-los. Dieses ganze nahezu bürokratische System ist eh sinnlos.

Karl Pfefferkorn (1897-1961)
Karl Pfefferkorn