Verwandte und Bekannte

verwandteVerwandte (zugewandt/zugehörig) und Bekannte (bekennen etwas getan zu haben)

Verwandte und Bekannte umfassen meist den Kreis von Menschen, die sich so im eigenen privaten Umfeld befinden.

Je nachdem, ob und wie wir unser privates Umfeld gestalten, sind uns diese Menschen mehr oder weniger sympathisch. Eine Aussage dazu treffen diese Begriffe nicht.

Verwandte sind halt die, die wir schon immer kennen, weil sie am selben Stammbaum hängen. Bekannte sind die, die wir aus irgendeinem anderen Grund kennen. Meist geschieht das, weil es uns nützlich erscheint. Es müsste dann noch die geben, die wir früher gekannt haben. Das wären dann Gekannte. Wobei dies oftmals auch auf Verwandte zutrifft. Interessant ist übrigens, dass das Präteritum vom Verb „verwenden“ einerseits „verwendete“ und andererseits „verwandte“ lauten kann. Der Duden macht da keinen Unterschied. Könnte ich also meine Verwandten auch als Verwendete bezeichnen?  Wenn sie mir von Nutzen waren, dann sollte das gehen. Kann ich Verwandte nochmal verwenden?

Das Gegenteil zu den Bekannten sind dann die Unbekannten, also Leute, die wir nicht kennen. Das sagt nur etwas über unser Wissen, aber nichts über diese Menschen selbst aus.

Bei Ungekannten ist das schon schlimmer. Die kennt keiner. Unverwendete sind halt einfach übrig, aber Unverwandte können einen wahrscheinlich schon ganz schön nerven. So wie dieser Text, der daher diesmal nur ganz kurz ist.

Euer Karl Pfefferkorn

Karl Pfefferkorn (1897-1961)

Karl Pfefferkorn (1897-1961)

 Aus der Rubrik „Karl Pfefferkorn (1897-1961) zieht vom Leder

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Leben mit Datensammlern

datensammlerJeden Tag gibt es neue Schlagzeilen über Ausspionierer und Datensammler. In den USA klagt eine Frau, weil der Hersteller ihres vernetzten(!) Vibrators die Zeiten und Intensitäten der Anwendung des Gerätes auf seinem Server loggt (Quelle: https://heise.de/-3324854). Jeden Tag geben Verbraucherschützer neue Warnungen heraus, wie gläsern unsere Persönlichkeiten durch die zugänglichen Daten werden. Meine Einkäufe und Webseitenbesuche werden analysiert, und ich bekomme dann genau auf mich zugeschnittene, personalisierte Werbung. Oh mein Gott, wie furchtbar! Jetzt könnten mich die Einblendungen vielleicht auch noch interessieren. Ja, Werbung kann nervig sein. Aber wie soll es denn anders gehen? Woher kennen Sie denn die Produkte, die Sie kaufen? Mir persönlich ist es schon lieber, wenn man mir Dinge vorschlägt, die mir vielleicht wirklich gefallen könnten. Das ist doch wie beim guten, alten “Tante-Emma-Laden”. Die Verkäuferin kennt ihre Kunden, kennt die Familie, weiß was sie wollen, und wenn es mal etwas Neues gibt, dann schlägt sie das vor: “Na, Herr Pfefferkorn, kommen am Wochenende wieder die Enkelkinder? Ich habe da hier ein kleines Schminkset für Prinzessinnen. Wäre das nicht mal was?” Bei einem älteren Herrn für Prinzessinnen-Schminksets zu werben, wäre ohne die Hintergrundinformationen eher verstörend. – “Gut, dass Sie mich daran erinnern, Frau Schulze! Wenn Sie meinen, dass das was ist, dann nehme ich zwei.”
Natürlich haben die Datensammelei und der “gläserne Bürger” nicht nur Einfluss auf gezielte Werbung. Auch staatliche Einrichtungen, Versicherungen und Arbeitgeber nutzen die verfügbaren Quelle. Da helfen auch keine Forderungen nach mehr Datenschutz. Die technische und die medial-soziale Entwicklung gehen hier viel zu schnell. Da muss man sich schon selbst helfen. Sie könnten nun z.B. einer amischen Gemeinde beitreten. Wem das jedoch ein zu radikaler Einschnitt in die gewohnte Lebensweise ist, der sollte sich mal überlegen, ob man die Datensammler nicht mit ihren eigenen Waffen schlagen könnte. Sie können das von Ihnen digital entworfene Persönlichkeitsbild doch beeinflussen. Organisieren Sie einen Tauschring mit Freunden und einigen Sie sich, dass jeder immer für den anderen im Internet bestellt. Wenn Sie keine Freunde haben oder die Ihre Online-Apotheken-Bestellung partout nicht von ihrem Computer versenden wollen, dann hilft nur noch Verschleierungstaktik. Kaufen Sie regelmäßig ein paar Sport-Accessoires! Das könnte mal guten Einfluss auf Ihre Lebensversicherung haben. Wenn Sie auf Jobsuche sind, schreiben Sie ruhig ein paar Haterkommentare auf Gewerkschaftsseiten! Schicken Sie wahllos Freundschaftsanfragen an Leute mit vielen Freunden! Irgendwer beißt immer an. Mit der Zeit haben Sie dann doch einen (fast) echten Freundeskreis. Machen Sie sich noch interessanter, indem Sie sich bei solch tollen Facebook-Gruppen anmelden, wie “Männer in Strings sind cool”! Vergessen Sie nicht, dass auch Kommentare in Onlineshops ein probates Mittel sind, um sein Onlineprofil aufzupeppen! Es darf durchaus auch etwas dekadent sein. Am besten hier:
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Solche Angebote werden extra nur für Kommentare gemacht. Anders kann ich mir das nicht erklären.

Euer Karl Pfefferkorn

Karl Pfefferkorn (1897-1961)

Karl Pfefferkorn (1897-1961)

Aus der Rubrik „Karl Pfefferkorn (1897-1961) zieht vom Leder

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Der Weg ist das Ziel

Aus der Rubrik „Karl Pfefferkorn (1897-1961) zieht vom Leder

wegistZielDer Spruch “Der Weg ist das Ziel” erschien mir als Kind und auch noch als Jugendlicher ziemlich sinnlos. Damit konnte ich nichts anfangen. Später jedoch reifte der Gedanke, dass da doch etwas dran sein muss.

Die Motorradfahrer unter meinen Lesern haben da z. B. schon eher eine praktische Deutung. Die meisten betreiben das Fahren eines motorisierten Zweirades als reines Hobby. Es geht um das Fahren und nicht darum, von A nach B zu gelangen. Start und Ziel sind meist identisch.

Im “richtigen” Leben klappt das allerdings nicht ganz. Der Start ist die Geburt. Sie können es drehen wie Sie wollen, aber das “Ziel” bleibt ganz unvermeidlich das Ableben, der Tod. Dieses Ziel möchte man eigentlich gar nicht wirklich erreichen. Alle wollen alt werden, aber keiner älter.

Sie kennen vielleicht den Minicartoon (Quelle: unbekannt): Ein junges Paar schwört sich ewige Liebe und Treue und möchte zusammen alt werden. Es kommt eine gute Fee und weil die beiden sich so lieben, erfüllt sie den Wunsch – sofort.

Wir wollen das ultimative Ziel eigentlich gar nicht erreichen. Was bleibt dann? Der Weg. Es ist unser Weg durch das Leben, es sind die Zwischenstopps, die Etappenziele, die uns erfüllen können. Es geht darum, diese Wegstücke bewusst zu erleben. Fahren Sie nicht nur per Express durch ihr Leben! Nehmen Sie auch mal den Bummelzug! Schauen Sie bei dieser Bahnfahrt mal aus dem Fenster! Wechseln Sie das Abteil und treffen Sie andere Menschen! Leben Sie so, wie Sie gern gelebt haben wollen, wenn Sie angekommen sind. Stellen Sie sich vor, wo Sie sein wollen, wenn Sie am Ziel sind. Nun wählen Sie den Weg, der dahin führt!

Wenn Sie in einem Haus am See viele Enkel sehen wollen, dann sollten Sie sich vielleicht erst einmal einen Partner suchen und eine Familie mit Kindern gründen. Genießen Sie das Babygeschrei! Es wandelt sich in ein “Nein” der “terrible Twos”. Genießen Sie auch das! Man kann damit leichter zurechtkommen, als mit dem “Lass mich in Ruhe!” eines Teenagers. Nehmen Sie aber auch das gelassen und bewusst in sich auf. Es fehlt dann, wenn es im Haus ruhiger geworden ist, weil der Nachwuchs eigene Wege geht. Wenn Sie alles richtig gemacht haben und sich ihre Kinder gern an Sie erinnern, bekommen Sie sie und die Enkel dann auch öfter zu sehen. So ist das Leben. So ist der Weg. Er ist das eigentliche Ziel.

Euer Karl Pfefferkorn

Karl Pfefferkorn (1897-1961)

Karl Pfefferkorn (1897-1961)

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Einstein im Straßenverkehr

Aus der Rubrik „Karl Pfefferkorn (1897-1961) zieht vom Leder

einsteinstrasseDie Schlussfolgerungen aus Einsteins Relativitätstheorie sind mit dem “gesunden Menschenverstand” oft schwer zu fassen. Einfacher fällt es vielen Menschen, wenn man ein praktisches Beispiel anführen kann. Mir ist aufgefallen, dass man im täglichen Leben doch oft von solchen Paradoxien, die sich aus der Relativitätstheorie ergeben, umgeben ist.

Damit meine ich nicht die grundlegende Erklärung, dass drei Haare auf dem Kopf relativ wenig sind, drei Haare in der Suppe jedoch relativ viel.

Ich meine auch nicht die Erklärung zur Relativität der Zeit in Abhängigkeit vom Ort mit Hilfe einer Klotür. Sie wissen schon: Ob drei Minuten relativ viel oder relativ wenig Zeit sind, hängt davon ab, auf welcher Seite man sich befindet.

Nehmen wir doch aber zum Beispiel folgende Situation im Straßenverkehr: Eine breite, freie Landstraße, welche schnurgerade noch ein paar Kilometer auf die nächste Ortschaft zustrebt. Es ist trocken. Das Licht ist hervorragend und blendet auch nicht. Links und rechts der Straße erstrecken sich weit überschaubare Felder. Der Gegenverkehr liegt bei null.

Es gibt auch keinen Hinweis auf eine Krötenwanderung, keinen Flugverkehr und auch die Straße selbst ist in einen Top-Zustand. Kein Schlagloch. Randstreifen und Mittellinie sind gut markiert.

Es gibt nichts, absolut nichts, was gegen die Ausnutzung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit spricht. Sie arretieren also die Tachonadel bei 100. Beim Blick in den Rückspiegel stellen Sie erstaunt fest, dass das Fahrzeug hinter Ihnen immer kleiner wird.

Nun gut, auch wenn man schon für flüssigen Verkehr sorgen sollte, ist niemand verpflichtet immer Höchstgeschwindigkeit zu fahren. Da wie gesagt nicht viel Verkehr ist, stört es auch nicht. Soweit ist das alles noch erklärbar.

Dann kommt das Ortseingangsschild. Sie bremsen vorschriftsmäßig auf die erlaubten 50 km/h ab. Die Straße führt weiter gerade aus. Jetzt kommt das unerklärliche Phänomen. Nach nur 100 Metern klebt Ihnen ihr Verfolger wieder ganz dicht hinten drauf.

Physikalisch völlig unmöglich, denken Sie. Der Abstand hätte sich nachdem beide das Ortseingangsschild passiert haben gar nicht mehr verringern können. Hier scheint es tatsächlich so zu sein, dass sich aufgrund der Geschwindigkeit die Abstände verkürzen. Genauso, wie es Einstein vorausgesagt hat. Das ist einfach verblüffend.

Euer Karl Pfefferkorn

Karl Pfefferkorn (1897-1961)

Karl Pfefferkorn (1897-1961)

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Whoami

Aus der Rubrik „Karl Pfefferkorn (1897-1961) zieht vom Leder

whoamiVielleicht werden einige den Ansatz des heutigen Beitrags erkennen. Es werden die Kinofilmkenner sein. “Whoami – Kein System ist sicher” war der Titel eines deutschen Thrillers 2014. “Who am I” heißt übersetzt “Wer bin ich”. Der Befehl “whoami” hat schon auf alten Unix-Systemen funktioniert und klappt auch noch auf Ihrem Windows-PC.

Bei Windows 7 klicken Sie auf “Start” und geben “cmd” in die Zeile darüber ein (wo “Programme/Dateien durchsuchen” steht). Es öffnet sich ein kleines Fenster, was an das alte DOS-System erinnert. Dort tippen Sie dann “whoami” ein und drücken ENTER.

Es ist unspektakulär, aber Sie sehen dann, wer Sie sind: Name des Systems/PC und Name des Benutzers.

So einfach wie es in der EDV ist, zu wissen, wer man ist, so einfach ist es im richtigen Leben nicht. Die Frage “Wer bin ich?” hat sich mancher schon gestellt. Es ist die Frage nach der eigenen Person und es ist die Frage, ob es eine Basis gibt, etwas Festes, auf das man sich verlassen kann. “Das bin ich wirklich.”

Leute, Ihr müsst jetzt ganz tapfer sein! Das mit dem “wirklich” könnt Ihr vergessen. So sehr wir auch manchmal von Persönlichkeiten fasziniert sind, es sind immer nur Facetten einer Person. Anders gesagt, sieht sich jeder selbst wahrscheinlich anders, als es andere tun. Aber welche dieser Sichten ist “richtig”?

Denken Sie an Ihre Teenager-Zeit. Da hat Sie doch kaum einer von den alten Knackern verstanden. Niemand wusste, wer oder wie Sie “wirklich“ sind. Ist also die Sicht von innen nach außen näher an der Wahrheit?

Denken Sie sich einen Alzheimer-Patienten oder einen Autisten. Jeder Außenstehende wird ein nahezu gleichlautendes Urteil über diesen Menschen abgeben. Ist die Kenntnis der Menge über diese Person nicht realistischer, als deren eigene Sicht (Sicht von außen nach innen)?

Der geneigte Kritiker wird die Schwachstelle hier darin entdecken, da er “Autismus” und “Alzheimer” den Krankheiten zuordnet. Wer krank ist, erkennt sich selbst nicht richtig. Bei “Autismus” würde ich nicht von einer Krankheit sprechen, will aber hier anders argumentieren. Nehmen wir weniger extreme Beispiele: Sie kennen in Ihrem Umfeld sicher Menschen, die Ihnen unsympathisch sind, die aber trotzdem Freunde haben. Wer liegt denn in der Beurteilung der Persönlichkeit in diesen Fällen falsch? Ist es das selbstherrliche Arschloch samt seiner Anhänger oder täuschen Sie sich, obwohl Sie tausend Beweise für das Gegenteil bringen könnten?

Was, wenn Persönlichkeit so relativ und individuell ist wie die Zeit? Für mich bin ich so, für andere bin ich so. Es gibt kein “So bin ich wirklich”. Das ist auch nicht wirklich schlimm. Wir müssen uns nur davon trennen, dass wir sauer sein dürfen, weil uns niemand versteht. Andere sehen uns nicht so, wie wir uns selbst. Wollen wir das ändern, müssen wir das “sichtbare Bild” von uns ändern. Das kann nicht jeder. Wenn wir andererseits zu solchen Menschen von außen durchdringen wollen, müssen wir deren Bild von sich kennen lernen. Unter der Maßgabe, dass dieses Bild genauso wenig richtig oder falsch ist, wie unser eigenes, sollte man dies völlig wertfrei tun. Dann werden wir einander verstehen. Von uns selbst sollten wir in der Wertschätzung ein wenig Abstriche machen. Es genügt ein Virus oder auch nur ein paar Tröpfchen aus dem Spirituosenregal und unsere Persönlichkeit ändert sich spontan. Der Unterschied zwischen fremder und eigener Wahrnehmung wird immens. Manchmal wissen wir dann wirklich nicht mehr, wer wir sind.

Euer Karl Pfefferkorn

Karl Pfefferkorn (1897-1961)

Karl Pfefferkorn (1897-1961)

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Vielleicht ein Verfallsdatum

Aus der Rubrik „Karl Pfefferkorn (1897-1961) zieht vom Leder

gesetzBei Lebensmitteln gibt es ein Mindesthaltbarkeitsdatum. Da ist man sich ziemlich sicher, dass sie bis dahin verwendet werden können. Danach sind sie meist noch nicht schlecht, aber es gibt da keine Garantie. Anders ist das bei Dingen, die ein Verfallsdatum haben, wie z. B. bei Medikamenten. Nach dem Datum heißt es grundsätzlich “Finger weg”, obwohl auch hier das Erzeugnis noch gut sein kann. Noch deutlicher wird das bei Dokumenten wie z. B. einem Personalausweis. Da steht “gültig bis”. Schon am nächsten Tag ist der Ausweis nicht mehr gültig, obwohl er vielleicht auch noch “gut” ist. Trotzdem müssen Sie zum Ablauf der Gültigkeit nachweisen, dass Sie noch der- oder dieselbe sind, sich Ihr Geburtsdatum nicht geändert hat, wenn es auch länger her ist und Sie deshalb ein aktuelles Passfoto erbringen müssen.

Das sind alles Dinge, die sinnvoll sind, um Missbrauch oder Schaden vorzubeugen.

Es gibt aber Bereiche, wo ein derartiges Verfallsdatum auch sehr sinnvoll wäre. Warum haben Gesetze nicht so etwas? Dann könnte und müsste zum Ablauf der Gültigkeit auch immer geprüft werden, ob alles noch korrekt und aktuell ist.

Vielleicht wäre das auch nützlich, um die ganze Gesetzes- und Regulierungswut einzudämmen. Die “Zeit” schrieb im Mai 2014: “Auf EU-Ebene gibt es 21.391 Rechtsakte, also Verordnungen und Richtlinien. In Deutschland gelten 1.681 Bundesgesetze und ein Vielfaches an Landesgesetzen. Hinzu kommen 2.711 Bundesverordnungen und ein Vielfaches an Landesverordnungen.“ (Quelle: http://www.zeit.de/2014/20/regeln-buerokratie-erleichterung )

Inzwischen dürften wieder ein paar hundert hinzugekommen sein. Blickt da noch jemand durch, ob das alles noch gut für uns ist? Mehr Gesetze bedeuten doch nicht auch mehr Recht, oder?

Vielleicht wäre es sinnvoll, sich etwas mehr Gedanken über die Gesetze zu machen, damit das Bundesverfassungsgericht sie nicht wieder für nichtig oder mit dem Grundgesetz nicht vereinbar erklären muss. Das sind jedes Jahr eine Handvoll (siehe: https://www.bundestag.de/blob/274408/5b420bddd23fcf81475e9f3f3c63da63/kapitel_10_0
6_f__r_nichtig_oder_verfassungswidrig_erkl__rte_bundesgesetze-pdf-data.pdf
).

Vielleicht würden dann auch ein paar Dinge nicht mit dem entsprechenden Verwaltungsaufwand auf Kosten der Steuergelder reguliert.

Wussten Sie z. B., dass …

… man in Deutschland mit einer Freiheitsstrafe von 5 Jahren oder einer Geldstrafe rechnen muss, wenn man eine nukleare Explosion verursacht?

… eine Frau keinen Anspruch auf Witwenrente hat, wenn sie den Gatten selbst erschießt?

… Sie zwar nackt Auto fahren dürfen, aber beim unbekleideten Aussteigen aus dem Wagen ein Bußgeld in Höhe von 40,- EUR riskieren?

… es ein Arbeitsunfall ist, wenn Sie im Büro einschlafen und vom Stuhl fallen, sofern Sie arbeitsbedingt übermüdet waren?

(Quelle: http://www.huffingtonpost.de/2014/06/30/absurde-gesetze-deutschland-welt_n_5542948.html )

Alles geregelt.

Vielleicht käme man dann auch mal dazu, die auf Bundesebene noch gültigen 29 Gesetze aus der NS-Zeit (Quelle: http://www.taz.de/!5068958/ ) auf eine freiheitlich, demokratische Basis zu stellen.

Das Leben ist zu komplex, um alles vorab zu regeln. Wenn aber niemand mehr Verantwortung für sein eigenes Handeln übernimmt und immer ein Schuldiger gesucht werden muss, braucht es inzwischen bei jeder Kleinigkeit einen Richter. Der braucht dann wieder Gesetze. Vielleicht wäre es aber auch besser, so mancher Richter würde den Tatbestand des “Missbrauchs des Gerichts” öfter diagnostizieren. Vielleicht gäbe es dann weniger sinnlose Gerichtsverfahren und vielleicht weniger sinnlose Gesetze.

Vielleicht wäre ein Verfallsdatum für Gesetze ganz gut. Vielleicht.

Euer Karl Pfefferkorn

Karl Pfefferkorn (1897-1961)

Karl Pfefferkorn (1897-1961)

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3 Lifehacks

Aus der Rubrik „Karl Pfefferkorn (1897-1961) zieht vom Leder

Lifehacks LichtDer Titel ist heute mal englisch. Nicht, weil das verdammt cool klingt, sondern weil es dafür keine brauchbare Übersetzung gibt.

Hacken ist sowohl ein englischer, als auch ein deutscher Begriff. Der englische bedeutet zwar dasselbe, hat sich aber auch in die Computerwelt eingeschlichen. Bildlich hackt jemand a) auf Tastaturen ein und b) “Dinge” in andere Programme und Systeme. Ob es sich dabei um eine Verbesserung handelt, liegt im Auge des Betrachters. Der Durchschnittsbürger verbindet mit dem Hacken [ˈhakn̩]  immer einen illegalen Angriff auf ein fremdes Computersystem.  Es gibt aber auch durchaus legale Hacks von offenen Systemen, die der Verbesserung dienen. ”Life Hacks” dienen daher der Verbesserung des Lebens. Genau da möchte ich die nachfolgenden Tipps mit dem üblichen stirnrunzelnden Augenzwinkern ansiedeln.

  • Der erste Tipp ist für alle Smartphone-Benutzer. Es gibt unter https://ifttt.com/ einen Dienst. IFTTT steht für “If This Than That” („Wenn dies, dann das“), wo man mit vielen sogenannten ”Rezepten” für bestimmte Ereignisse entsprechende Aktionen auslösen kann. Ein simples, aber wirkungsvolles Rezept lautet: Wenn ich an Ort X bin, schalte auf lautlos. Ich kann nur empfehlen, bei X alle Konzerthäuser und ähnliche Orte einzutragen. Ein klingelndes Telefon in der Oper ist mehr als peinlich.
  • Auch beim zweiten Lifehack geht es quasi auch um Stille an einem Ort, nämlich um das sprichwörtliche “Stille Örtchen”. Wenn Sie Ihre Toilette mit anderen teilen müssen, dann kennen Sie das Problem: Man weiß es, aber man will es nicht wissen. Ein angewärmter Platz ist im Prinzip nicht schlecht, drängt aber hier Bilder in den Kopf, die man nicht möchte. Schlimmer sind aber andere Spuren der Teilung intimer Orte. So wenig, wie Sie selbst möchten, dass Sie Hinterlassenschaften fremder Verdauung zu sehen bekommen, so wenig wollen andere dies von Ihren wissen. Was tun? Verblüffenderweise haben sich die Erbauer der Nasszelle auch darüber Gedanken gemacht. Rechts oder links neben dem WC werden Sie eine Bürste finden, mit der Sie Ihre Spuren bis zur Unschuldigkeit der Schüssel entfernen können. Sind etwas unauffällig, diese Bürsten. Leider scheint die noch nicht jeder bemerkt zu haben.
  • Der dritte Lifehack hilft bei zwischenmenschlichen Beziehungen. Manchmal kommt man einfach in Situationen, wo man nicht mehr dominant ist, wo man z. B. Lücken in der Kenntnis hat, wo man allein nicht klar kommt. Wenn dann jemand da ist, der einen in dieser Situation unterstützen kann, damit man weiter kommt, gibt es ein Problem. Was soll man denn nun tun? Da ist dieser Mensch, der einem geholfen hat. Weiß der Geier, warum. Irgendwie hat man das Gefühl, dass man den entlohnen müsste, kann das aber nicht in Geld fassen. Auch hier gibt es einen Lifehack: Probieren Sie es mal mit dem Wort “Danke” unterstützt durch ein Lächeln. Wem das schwer fällt, der sollte einfach dabei an etwas Schönes denken, auch wenn es bei ihm nur das Sparbuch ist.

Euer Karl Pfefferkorn

Karl Pfefferkorn (1897-1961)

Karl Pfefferkorn (1897-1961)

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